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Anschrift und Öffnungszeiten

 

 

  
  
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Bebraer Wanderweg B 11

Start: B 11, Parkplatz Sportplatz Weiterode – Heiertal-Eisenbahnbrücke unterqueren – links auf einer Treppe bergauf – Burgrainhütte – Wanderweg B 11 (gleicher Verlauf mit dem Waldlehrpfad) – Aussichtspunkt Schottenberg – Kräutergarten bzw. Burggarten, Wandertafel „Wandern im Seulingswald“ mit den Bebraer Wanderwegen B 1 bis B 16 – B 11 weiter zum Waldrand – bergauf – Hagelsberg, 327 m – „Hute-Eiche“ (Todholzbaum) – Hagelsberghütte, 312 m, Rastmöglichkeit – Büschelsgrabenhütte, Rastmöglichkeit – Heuergrund – Heiertal – Eisenbahnbrücke – Mühlenwiesenweg – Ausgangspunkt Parkplatz Sportplatz Weiterode.

B 11 Wanderstrecke: ca. 5,5 km

Wissenswertes über den Kräutergarten bzw. Burggarten im Burgraingelände: Die Anlage wurde vom Heimatverein Weiterode 1969 e. V. in etwa zweijähriger Arbeit von 1984 bis 1986 auf einer Fläche von rund 250 qm angelegt. Über 2000 Arbeitsstunden wurden geleistet, um das sogenannte „Unland“ zu einem schönen Garten zu gestalten.

Es werden Gewürz-, Heil- und Schmuckpflanzen sowie Wildkräuter angebaut. Die Beete sind im alten Klosterstil durch Kreuzgänge unterteilt und in 40 Beete auf acht Feldern gegliedert. Außerdem gibt es noch Wildkräuterbiotope. In der Mitte befindet sich ein Ziehbrunnen zur Bewässerung, der nach seinem Erbauer „Peter-Brunnen“ heißt.

Um eine günstige Sonneneinstrahlung zu haben, wurde der Garten in der Nord-Süd-Richtung angelegt. Beim Anlegen wurde auch an Windschutz gegen die rauen Winde vom Norden und Osten gedacht und eine entsprechende Bepflanzung durchgeführt. Viele bekannte Pflanzen wurden den natürlichen Standorten entnommen. Seltene Pflanzen stammen aus gärtnerischer Zucht. Viele Gewürz- und Heilpflanzen stammen aus fernen Ländern. Eine Broschüre oder eine Führung könnte Ihnen noch viele Fragen beantworten. Ansprechpartner Heimatverein Weiterode e. V. 1969.

B11 Wanderweg

Weiterode wird in einer Urkunde des Klosters Hersfeld vom 27.08.1057 erstmals erwähnt. Über die Gründungszeit gibt es keine Angaben. Ortsgründungen mit der Endung „-rode“ werden von Fachleuten der Zeit 800 bis 1300 zugeordnet. Die Einwohner lebten in früheren Zeiten vond er Landwirtschaft und der Leineweberei. Das Klima, die Bodenart und Landschaft sind ausschlaggebend für die Einkünfte aus der bäuerlichen Arbeit. In einer Beschreibung von 1872 heißt es: „Dieses Dorfes Feldmark liegt in einer größtenteils sommerlich offenen Gegend und streicht zur rechten an die Säulings und zur linken an die Rothenburgischen Waldungen, ist 1/5 eben, 1/5 hängig und zu 3/5 hoch und bergig situiert und mit verschiedenen Tälern durchschnitten“ (Zitatende).

Die beste Bodenqualität auf landwirtschaftlichen Flächen sind Lehmböden. Es gibt außerdem Sand mit Lehm vermischte Böden und Sandböden. Die Düngung der Äcker im steilen bergigen Gelände wurde mit Schafherden in „Pferchen“ betrieben. Diese Einzäunungen wurden täglich auf dem Acker weiter gesetzt bis die gesamte Fläche gedüngt war. Die „Schafgerechtigkeit“ der Gemeinde erlaubte die Schafhaltung in der Menge von Tieren, die der Halter ernähren konnte.

1782 sind in der „Spezialbeschreibung“ über Weiterode 685 Schafe in 5 „Pferchen“ aufgeführt. Ziegenhaltung gestattete der Landgraf nur ganz armen Leuten, weil die Ziegen beim Weiden junge Hecken am Waldrand beschädigten. Wer die Ziegen im Wald hütete, musste für dieses Vergehen vier Wochen ins Zuchthaus. Der Ziegenmilchverbrauch aus gesundheitlichen Gründen war mit ärztlicher Verordnung erlaubt. 1858 gab es 15 Ziegen und 1949 war der Höchststand 503 Ziegen, sog. „Kühe des kleinen Mannes“. 1782 gab es 40 Pferde, 101 Ochsen, 95 Kühe, 645 Schafe; Ziegen sind nicht erwähnt.

Zu großen Wildschäden kam es durch die großen bestände von Schwarz- und Hochwild. Das Ausmaß wird ersichtlich, wenn berichtet wird, dass 1732 bei einer Jagd 500 Stück Rotwild erlegt wurden. Eine ähnliche Situation gibt es heute auch. Beim Wandern kommt man an vielen von Wildschweinen durchwühlten Waldstücken, Wiesen und Wegen vorbei.

Der Ackerbau wurde in der seit dem Mittelalter üblichen „Dreifelderwirtschaft“ betrieben. Dabei wurde die Gemarkung in drei „Wirtschaftsschläge“ eingeteilt. Auf einem Teil wurde Winterfrucht (Roggen, Weizen) angebaut. Auf dem zweiten Teil war es Sommergetreide (Hafer, Gerste) und der dritte Teil lag „brach“, um den Boden „ruhen“ zu lassen bzw. als „Hute“ (Weideland) zu nutzen. Jeder musste sich an diesen festgelegten „Flurzwang“ halten. Da viele aneinander grenzende Feldflächen nicht auf Wegen, sondern nur über den Acker des Nachbarn erreichbar waren, war festgelegt, dass Saat und Ernte immer gleichzeitig auf diesen Äckern durchgeführt werden mussten.

B11 Wanderweg

Die Leineweberei war bis Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Erwerbsquelle auf dem Lande. Hochkonjunktur war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1782 erfasst). 39 Ackerleute waren zusätzlich auch Leineweber. Außerdem waren noch weitere 10 Leineweber im Dorf tätig. 1858 wurde noch auf 115 Morgen Land Flachsanbau betrieben. Die Ackerbearbeitung erforderte öfters das Unkraut „jäten“. Bei der Ernte wurden die Pflanzen einzeln ausgerupft. Erst nach vielen Arbeitsgängen: raufen, taufen, rösten, reffen, dörren, brechen, schwingen, hecheln entsteht der Leinenfaden. Der weitere Weg ist spinnen des Fadens, weben, bleichen, schneidern, Kleidung tragen.

Die Flachsverarbeitung wurde im Winter in fast jedem Haus schon von Kindesalter in den Familien betrieben, oft schon von 5:00 Uhr morgens und bis spät am Abend. Nach einer hessischen Verfügung vom 06.02.1801 wurde ein verbindliches Garnmaß festgesetzt: „Ein Strang Garn gleich 30 Gebinde (2 Zaspeln, altes Garnmaß). Jedes Gebinde gleich 40 Faden, jeder Faden musste 4 Ellen lang sein“. Die Länge einer Elle ist das einmalige Aufziehen eines Fadens vom Daumen über den angewinkelten Arm zurück zum Daumen, nach Armlänge etwa 55 bis 80 cm. Es gab die „Leineweberelle“ und „Wollweberelle“. Eine „preußische Elle“ hatte 66,7 cm.

In der damaligen Tuchweberstadt, unserer heutigen Kreisstadt Bad Hersfeld, wurde eine „Leineweberelle“ aus Eisen am Rathaus mit der Aufschrift angebracht, „dass solchs der LEINE WEBER EHLE sei“. Das Leinen wurde von Handelsleuten in Rotenburg oder Hersfeld angekauft. Um 1800 waren hier 13 Leinwandhändler tätig. Sie hatten Lagerhäuser in Hamburg, Bremen und Amsterdam. Von da gingen die Leinenstoffe in alle Welt. Ein Teil des Leines wurde für den eigenen Bedarf verwendet: Hosen, Kittel, Schürzen, Kleider, Hemden, Unterwäsche, Tischwäsche, Bettzeug, Getreidesäcke usw. Leinen hatte Geldwert und wurde auch zur Entlohnung verwendet. Durch die Erfindung mechanischer Spinn- und Webstühle entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts die industrielle Tuchherstellung und die Leineweber verloren ihre Arbeit.

Mühlen waren im Steuerregister besonders erfasst. Sie wurden vom Landgrafen im 16. Jahrhundert „auf den Leib“ vergeben. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde das Nutzrecht erblich. Mühlen mussten vielfältige Abgaben leisten. 1782 gab es in Weiterode eine Ober- und eine Untermühle. Es war den Bewohnern freigestellt, ihre Erzeugnisse in der Ober- oder Untermühle verarbeiten zu lassen. Die Untermühle war im mehrfach erwähnten Jahr 1782 „erb- und eigentümlich“ im Besitz von Christoph Schweizer. Seine Abgaben leistete er an die Rheinfelsische Herrschaft. Die Untermühle war später u. a. im Besitz der Familien Trieselmann, Döllefeld und Engel.

Die Obermühle wurde seit den 1860er Jahren 100 Jahre von der Familie Dehnardt betrieben. Die Ulfenmühle wurde seit 1899 von der Familie Trieselmann betrieben. Früher gehörte sie zur Gemeinde Breitenbach und ab 1912 zu Weiterode. Beim Bombenangriff am 04.12.1944 wurde sie völlig zerstört. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sie wieder aufgebaut. Die Ulfenmühle ist seit den 1970er Jahren nicht mehr in Betrieb.

Weitere Informationen finden Sie in der „Chronik – 900 Jahre Weiterode“, in den Festschriften anlässlich der jährlichen Kirmesfeste, „Weiterode vorgestern, gestern und heute“, „Bebra und seine Stadtteile bildschön“, „Bebra, Chronik einer Stadt“ Teil 2 und in „Rund um den Alheimer“.

Und nun: Auf, auf, ihr Wandersleut, auf Bebras Wanderwegen durchs waldhessische Bergland!“